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Adelbert-von-Chamisso-Preis 2017 für Abbas Khider

Der Schriftsteller Abbas Khider erhält den mit 15.000 Euro dotierten Adelbert-von-Chamisso-Preis 2017. Die beiden mit je 7.000 Euro dotierten Förderpreise gehen an die Autorin Barbi Marković
und an den Autor Senthuran Varatharajah.
Robert Bosch Stiftung | Januar 2017
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Fotos: Yves Noir
Mit dem Adelbert-von-Chamisso-Preis ehrt die Robert Bosch Stiftung herausragende auf Deutsch schreibende Autoren, deren Werk von einem Kulturwechsel geprägt ist. In diesem Jahr geht der Hauptpreis an den im Irak geborenen Autor Abbas Khider. Die beiden Förderpreise gehen an die gebürtige Serbin Barbi Marković und den in Sri Lanka geborenen Senthuran Varatharajah.
 

Hauptpreisträger Abbas Khider

Ein "sprachsensibler Beobachter der Verzweiflung, Verstörtheit, Wut und Hoffnung junger Männer, die ihre Heimat verlassen müssen und Zuflucht in Europa suchen", so beschreibt die Jury den Adelbert-von-Chamisso-Preisträger 2017 Abbas Khider. Er erhält den Preis für sein bisheriges Gesamtwerk. Auf drastische, tragische und oft auch komische Weise erzähle er von den Identitätskrisen und Integrationsschwierigkeiten heutiger Flüchtlinge. "Mit genuin literarischen Mitteln gestaltet Abbas Khider damit eines der wichtigsten und bedrückendsten Probleme unserer Gegenwart", urteilt die Jury.

Abbas Khider
Foto: Yves Noir
Abbas Khider wurde 1973 in Bagdad (Irak) geboren. Aus politischen Gründen verfolgt, floh er 1996 aus dem Land. Vier Jahre lang zog er als illegaler Flüchtling durch Jordanien, Libyen und die Türkei. 2000 beantragte er in Deutschland Asyl, studierte in München und Potsdam Philosophie und Literaturwissenschaft. Heute lebt Abbas Khider in Berlin.

Förderpreiträgerin Barbi Marković

Autorin Barbi Marković erhält den Adelbert-von-Chamisso-Förderpreis für ihren witz- und schwungreichen Stadtroman "Superheldinnen", den sie teilweise auf Deutsch, teilweise auf Serbisch geschrieben hat. Der Roman erzählt vom oft schrägen Alltag dreier Freundinnen, die keinesfalls auf ihre schmerzlich nachwirkende Vergangenheit als Migrantinnen angesprochen werden möchten und sich mit manchmal zauberischen Kräften in einer neuen Umgebung zu behaupten suchen. "Der skurrile, mit bösem Humor nicht geizende Text besitzt Witz, Ironie, Tempo und Schwung", heißt es in der Begründung der Jury.

Barbi Marković
Foto: Yves Noir
Barbi Marković wurde 1980 in Belgrad (Serbien) geboren. Sie studierte Germanistik in Belgrad und Wien. In Serbien wurde sie durch den Pop-Roman "Ausgehen" (2006/dt. 2009) sowie mit Kurzgeschichten, Theaterstücken und Hörspielen bekannt. Seit 2006 lebt sie in Wien.

Förderpreiträger Senthuran Varatharajah

Autor Senthuran Varatharajah erhält den Adelbert-von-Chamisso-Förderpreis für seinen originellen, als Facebook-Dialog aufgebauten Roman "Vor der Zunahme der Zeichen". Darin erzählt er die Geschichte zweier Flüchtlinge aus Sri Lanka und dem Kosovo, die inmitten der globalisierten und medial vielfach vernetzten Welt von heute ihre je eigene Art von Identität suchen. "In kühner, hochreflektierter und sehr persönlicher Sprache diskutiert sein Text die großen philosophischen Fragen nach Identität, Wahrheit und Gott", erklärt die Jury.

Senthuran Varatharajah
Foto: Yves Noir
Senthuran Varatharajah wurde 1984 in Jaffna (Sri Lanka) geboren, seine Muttersprache ist Tamil. In den achtziger Jahren kam er nach Deutschland, studierte Philosophie, Theologie und Kulturwissenschaft in Marburg, Berlin und London.

Die Jury

Die Juroren des Chamisso-Preises 2017 sind: Wolfgang Herles (Literaturkritiker), Michael Krüger (Schriftsteller und Präsident der Bayerischen Akademie der Schönen Künste), Klaus-Dieter Lehmann (Präsident des Goethe-Instituts), Wiebke Porombka (Literaturkritikerin), Denis Scheck (Literaturkritiker), Insa Wilke (Literaturkritikerin) und Feridun Zaimoglu (Schriftsteller und Chamisso-Preisträger 2005).

Der Adelbert-von-Chamisso-Preis

Mit dem Adelbert-von-Chamisso-Preis ehrt die Robert Bosch Stiftung seit 1985 herausragende auf Deutsch schreibende Autoren, deren Werk von einem Kulturwechsel geprägt ist. Die Preisträger verbindet zudem ein außergewöhnlicher, die deutsche Literatur bereichernder Umgang mit Sprache. 2017 wird er zum 33. und letzten Mal verliehen.